Vorwort
Janas Tod kam für uns alle sehr überraschend und traf uns sehr. Jedoch werden viele Leser
dieser Seiten meinen, ihr Eltern, faßt euch an die eigene Nase, ihr habt das Kind dazu getrieben.
Deswegen mochten ich auf diesem Wege ein bißchen Licht in die Hintergründe bringen - ohne
mich von allen Fehlern reinzuwaschen.
Eine Scheidung, welche Jana miterlebt hat, ist immer ein tiefer Einschnitt in die Seelenwelt eines
Kindes. Das war auch bei Jana so.
Es liegt jedoch an den Eltern, wie sie diese Scheidung vollziehen und wie die Kinder damit
umzugehen lernen. Jutta, meine liebe Lebensgefährtin, die ich schon sehr früh nach meiner Trennung kennenlernte, lebte damals auch gerade in Scheidung, doch ihre Scheidung wurde innerhalb eines Jahres vollzogen, nachdem man sich über alles privat einigen konnte. Heute geht Juttas Mann bei uns ein und aus und das Verhältnis zwischen mir und ihm sowie zwischen Jutta und ihm ist ganz normal.
Ihre beiden Kinder wohnen bei uns und Christian kann sie sehen oder holen wann immer er will bzw. wann es halt auch möglich ist.
Meine Scheidung verlief leider etwas anders. Obwohl ich seit Jan.98 getrennt lebe, bin ich heute (08.5.2001) noch nicht geschieden. Grund: Eine Flut an Klagen (die letzte kam am 06.05.2001 wegen erneuten Unterhaltsansprüchen) die erst alle abgehandelt werden müssen.
Das solche Auseinandersetzungen an Kindern nicht spurlos vorrüberziehen ist verständlich.
Auch Jana hat darunter gelitten, dass das angespannte Verhältnis zwischen mir und meiner EX-Frau immer wieder Anlass zu Streitigkeiten war.
Am 10.4.2000 zog Jana zu ihrer Mutter nach Nürnberg.
Dort schien es die ersten Wochen ganz gut zugehen, einen glücklichen Eindruck machte sie auf uns jedoch nicht. Das Verhältnis zwischen ihr und ihrer Mutter war nie ein Inniges gewesen.
Schon im Juli 2000 gibt es erste massive Probleme mit ihr und ihrer Mutter, die sich im Laufe der folgenden Monate steigern. Gegen Ende des Jahres zeichnet sich immer mehr ab, das zwischen Mutter und Tochter ein psychischer Kleinkrieg geführt wird, der in vielen Telefonaten zwischen uns und einer total aufgelösten Jana versucht wird zu beenden.
Janas Tagebucheinträge aus dieser Zeit sprechen eine deutliche Sprache. Ihre Freunde sind ihr sehr wichtig und mit ihnen versucht sie ihre Probleme zu lösen.
Jana ruft fast täglich bei uns an, oft weinend. Wir erleben teilweise Auseinandersetzungen direkt am Telefon mit. Gerne hätten wir sie zu diesem Zeitpunkt nach Würzburg zurückgeholt - Jana hängt jedoch so sehr an ihren Freunden, dass sie das nicht will. Als sie dann teilweise den Umgang mit ihren Freunden untersagt bekommt, scheint die Situation zu eskalieren.
Anfang Februar 2001 heißt es, Jana soll auf eine Kur
Meine EX-Frau teilt uns mit, dass sie sich entschlossen hat, Jana auf eine psyochseumatische Kur zu geben, auf der das gespannte Verhältnis zwischen ihr und Jana untersucht wird.
Als Kurklinik wird die Klinik Reinerzau in Alpirsbach genannt, wo Jana, die zwischenzeitlich 2 Suizidversuche hinter sich hat, angeblich in einer Art Wohngemeinschaft mit gleichaltrigen Kindern untergebracht wird.
Wie sich später herausstellt, war dies in keinster Weise der Fall. Jana wird in einem Einzelzimmer im 5 Stock untergebracht.
Aber, Jana hat auch miterlebt, wie harmonisch unser Leben hier in Würzburg verläuft, dass es Scheidungen ohne Stress gibt und auch Scheidungskinder wie Marius und Bastian, glücklich mit einem "Stiefvater" aufwachsen können.
Im Dezember 1998 entschloss sich Jana bei uns zu leben und kehrte von einem Besuchswochenende nicht mehr zurück zu ihrer Mutter.
Ich möchte auf die Zeit, die jetzt begann nicht sehr genau eingehen, denn was jetzt folgte war an "Scheidungskrieg" nicht mehr zu überbieten.
Aus welchem Grund auch immer, wurde mit allen Mitteln versucht darzulegen, wie ungeeignet der Vater für die Erziehung der eigenen Tochter ist. Der Umgang mit meinen beiden anderen Kindern wurde mir 1/2 Jahr (auf Anraten der Anwälting meiner EX-Frau) untersagt. Letztendlich erhielt ich aber doch das Sorgerecht für Jana und mußte das Sorgerecht für Sofia und Niklas abgeben.
Es begann eine sehr glückliche Zeit mit Jana zusammen und das Verhältnis zwischen ihr und Jutta sowie deren beiden Kindern war so, wie man es sich nur wünschen konnte.
Ein Jahr lang lebte Jana bei uns bis die ersten Probleme auftraten. Die meisten Probleme gab es in der Schule. Jana hatte nicht den Lerneifer den man gerne erwartet hätte, aber vor allem Jutta gab ihr bestes und so erreichte sie ihre Klassenziele relativ gut.
Jana bemängelte lediglich die wenig verbleibende Zeit für Freundinnen und Hobbys, der Erfolg einer guten Note bestätigte ihr aber immer wieder, dass die Mühen sich gelohnt hatten.
Jana tritt ihre Kur, welche im Eilantrag durchgesetzt wurde, am 28.02.2001 an.
Über ein Telefonat mit ihrer Mutter, welches sie von der Klinik aus führt, regt sich Jana so auf, dass sie weinend bei uns anruft. Wir telefonieren das erstemal mit der behandelnden Psychotherapeutin welche daraufhin eine Kommunikation zwischen Mutter und Tochter unterbindet.
Uns erreichen fortan fast täglich Anrufe von Jana bei denen sie teils gelangweilt teils fröhlich wirkt. Am 08.3.2001 besuchen Jutta und ich Jana in der Klinik. Wir finden eine Klinik vor, die einen denkbar schlechten Eindruck auf uns hinterläßt. Jana ist dort, unserer Meinung nach, fast den ganzen Tag sich selber überlassen und dementsprechend ist ihre Verfassung. Einzelgespräche mit den Therapeuten nimmt sie teilweise nicht wahr und der Zustand ihres Zimmers stimmt uns nachdenklich.
Volle Aschenbecher und leere Zigarettenschachteln sind u.E. in einem Klinikzimmer einer 13-jährigen fehl am Platz.
Jutta und ich entschließen uns am 09.3.2001 mit meiner EX-Frau zu telefonieren und ihr mitzuteilen, dass diese Kurklinik für Jana absolut ungeeignet ist.
Dieses Telefonat beendet meine EX-Frau wie sooft, indem sie den Hörer auflegt.
3 Tage lang hören wir von Jana keinen Ton, am 4. Tag ruft sie bei uns an - spricht auf den Anrufbeantworter.
Jutta ruft Jana am 14.3.2001 gegen 18:00 Uhr an. Jana hat eine Freundinn am Zimmer, wirkt sehr ausgelassen und fröhlich. Die Beiden plaudern fast eine halbe Stunde über Gott und die Welt, lachen sind fröhlich und Jana bedankt sich für das Paket, welches wir ihr am gleichen Tag geschickt hatten.
Wir wissen es nicht exakt warum, jedoch kam Jana von einem Besuchswochenende bei Ihrer Mutter (April 2000) recht verändert zurück.
Von da an überschlugen sich die Ereignisse. Jana lief von zuhause weg, behauptete wir würden sie schlagen (sogar hungern lassen) und äußerte den Wunsch zu ihrer Mutter nach Nürnberg zu ziehen.
Hierzu möchte ich jedoch kurz anmerken:
Jana wurde, während sie bei uns lebte niemals geschlagen, auch Juttas Kinder sind noch niemals auch nur in die Nähe einer erhobenen Hand gekommen. Jana wurde von uns jedoch einmal dazu "verdonnert" sich von ihrem Kindergeld (250,- DM) versuchsweise selber zu versorgen. Dies bezog sich nur auf Lebensmittel. Für uns war dies eine erzieherische Maßnahme (die 10 Tage dauerte) ihr den Umgang mit Geld etwas näher zu bringen. Leider wird uns diese Tatsache heute so ausgelegt, daß wir sie nicht mehr ernährt hätten.
Wir wissen heute aus handschriftlichen Notizen von Jana, dass ihr, bevor sie nach Nürnberg ging, ein Stichpunktzettel diktiert wurde, der Argumente gegen uns enthielt, die sie dem Familienrichter sagen sollte.
Am 10.April "flüchtete" sich Jana in die Anwaltskanzlei meiner EX-Frau. Wir wissen heute ebenfalls, dass diese "Flucht" sehr gut vorbereitet wurde und wie Jana uns noch im Februar 2001 mitteilte, nur auf Drängen, tatsächlich durchgeführt wurde. Wäre Jana tatsächlich geflohen, hätte die Mutter nicht schon in der Kanzlei auf sie gewartet.
Am 14.3.2001 um 19:30 erhängt sich Jana in ihrem Zimmer
Für uns in keinster Weise nachvollziehbar, was der auslösende Punkt war, fragen wir uns, was in der Stunde nach dem Telefonat vorgefallen war. Bis heute wissen wir nur einige Umstände wonach Jana schon eine gewisse Weile auf dieser Kur mit dem Gedanken an Selbstmord gespielt hat und dies auch gegenüber Ihren Freundinnen offen gezeigt hat.
Dies bestätigt sich in den polizeilichen Ermittlungsakten. Für uns ist es unverständlich, warum Janas Selbstmordandrohungen nicht bis zur Klinikleitung vordrangen.

Als wir Tage später Janas Sachen aus der Klinik abholen, sind wir abermals über den Zustand Ihres Zimmers entsetzt. Auf der Waschbeckenablage, ausgelaufenes und mittlererweile eingetrocknetes Handwaschmittel in dem Ketten und Schmuck festgeklebt sind. Auf Ihrem Stuhl türmt sich ein Berg an schmutziger Wäsche (teilweise nass und blutig) der vergangenen Tage.
Am 15.3.2001 gegen 14:00 Uhr erfuhren wir von Janas Tod.

Seit 15.3.2001 sind wir stumm.
Seit 06.05.2001 gehen wir an die Öffentlichkeit
  In diesem Zusammenhang danken wir an dieser Stelle Frau Tanja Rössner, vom Hessischen Rundfunk sowie Frau Babette Benecke von Focus-TV (16.12.2001), dass sie mit ihrer Öffentlichkeitsarbeit dazu beigetragen haben, andere Eltern zum Nachdenken anzuregen, um ihnen einen solchen Verlust zu ersparen.
Herrn Jürgen Fliege, der in seiner TV Sendung "Fliege" am 10.11.2004 das Thema "Scheidung ohne Streß" behandelt hat und bei dem wir Gäste sein durften.

Ich, Jochen Kröplin, bin heute geschieden und gemeinsam mit meiner 2. Frau Jutta, versuche ich Janas Tod zu verarbeiten.
Vergessen werden wir sie nie und wir freuen uns auf den Tag, an dem wir ihr wieder begegnen werden.
Jochen Kröplin und Jutta Kröplin, 31.03.2003